Hartley mit F1-Debüt in den USA: Wer fährt für Toro Rosso in Mexiko?

Das Ratespiel, wer Pierre Gasly beim GP USA im Cockpit von Toro Rosso vertritt, wurde am Freitag letzte Woche, kurz nach 18 Uhr europäischer Zeit aufgelöst. Da saß Brendon Hartley gerade in einem Porsche 919 Hybrid im 10.000 Kilometer entfernten Fuji. Er hatte die gute Nachricht erst kurz vor ihrer Veröffentlichung erfahren. Sie hat auch den 27-jährigen Neuseeländer umgehauen. Immerhin wusste er, dass er in der engeren Wahl war.

Hartley gehörte schon einmal zum Red Bull-Kader. Doch 2010 trennten sich die Wege. Ohne Bitterkeit, wie Hartley bekundet. „Ich war damals einfach noch nicht reif für eine Formel 1-Karriere. Als ich 2009 meinen ersten Test in einem Toro Rosso gefahren bin, war ich 18 Jahre alt, lebte allein in Europa, hatte Heimweh nach Neuseeland und nahm die Dinge nicht so ernst, wie ich sie hätte nehmen sollen.“

Dann änderte ein Anruf alles. Im Juli gab Porsche seinen Rückzug aus der WEC bekannt. Der Le Mans-Sieger von 2017 griff zum Telefon und rief den Le Mans-Sieger von 1971 an. „Ich habe mich einfach bei Helmut Marko gemeldet und ihm gesagt, dass ich wieder zur Verfügung stehe. Und dass ich ein anderer Rennfahrer bin als vor acht Jahren.“ Und was hat der strenge Doktor geantwortet? Hartley grinst: „Nicht viel. Er hat nur gesagt, dass er die Nachricht notiert habe.“

Hartley einen Tag im Red Bull-Simulator

Drei Wochen vor dem GP USA klingelte erneut das Telefon. Diesmal bei Hartley. Man sagte ihm, er solle sich bei Red Bull im Simulator einfinden. „Ich habe gar nicht gefragt warum, sondern bin einfach hingefahren.“

Brendon Hartley - Toro Rosso - GP USA - Austin - Formel 1 - Donnerstag - 19.10.2017 Foto: xpb

Brendon Hartley ist der erste Neuseeländer in der Formel 1 seit Mike Thackwell 1984 beim GP Kanada.

Somit stand der erste Neuseeländer in der Formel 1 seit Mike Thackwell 1984 schon einmal auf der Liste. Zwischen allen Porsche-Terminen schaffte Hartley in mehreren Portionen einen ganzen Tag im Simulator. Er muss sich ordentlich angestellt haben, sonst hätte er nicht den Zuschlag bekommen. Und was sprach noch für den Sportwagen-Weltmeister von 2015? „Ich bin als Porsche-Fahrer mit Druck, mit komplizierten und schnellen Rennautos vertraut. Und ich kenne die Strecke von Austin. Die WEC fährt dort regelmäßig seit 2013.“

Ansonsten geht der Debütant ziemlich „unvorbereitet“ in das vielleicht wichtigste Rennen seines Lebens. Es kann immerhin über die weitere Zukunft entscheiden. „Es ist nicht das erste Mal, dass ich in kaltes Wasser geworfen werde. Aber das erste Mal, dass die ganze Welt dabei zuschaut“, schmunzelt Hartley. Dafür sei er noch erstaunlich relaxt, „Ich gehe ohne große Erwartungen in das Wochenende und versuche, so gut wie möglich abzuschneiden. Es wäre falsch, mir ein bestimmtes Ziel für etwas zu setzen, das ich noch nie gemacht habe. Es ist eine große Sache, aber ich versuche, sie für mich so klein wie möglich zu reden. Seit ich 2012 einen Mercedes getestet habe, bin ich nicht mehr in einem Formel-Auto gesessen. Seitdem bin ich nicht mehr stehend gestartet. Ich muss erst einmal alle Prozeduren lernen, auf die es ankommt. Was auf mich zukommt, werde ich erst nach dem ersten Training wissen.“

Kvyat versucht, das Negative positiv zu sehen

Laut Hartley gibt es keinerlei Zusagen über die restlichen drei Rennen oder gar 2018. „Formel 1, IndyCar. Alles ist möglich. Ich zerbreche mir darüber im Moment keinen Kopf. Jetzt zählt nur, wie ich mich in Austin anstelle.“ Gerüchten zufolge könnte der Porsche-Werksfahrer den Rest der Saison im Auto sitzen und vielleicht auch im nächsten Jahr, wenn er sich bei seinem Debüt vielversprechend präsentiert. Angeblich hat Hartley auch neuseeländische Sponsoren zur Hand. Daniil Kvyat dagegen soll nach dem Einsatz wieder für Pierre Gasly Platz machen. Dafür würde sprechen, dass Kvyat auch nichts zur Aufklärung beitragen wollte. Er habe noch einen Vertrag für die nächsten zwei Jahre, doch ob er in Mexiko, Brasilien oder Abu Dhabi im Auto sitze, „das lösen wir hinter verschlossenen Türen.“

Kvyat versteift sich wie sein neuer Teamkollege auf die Formel: „Ich konzentriere mich nur auf das Rennen in Austin und versuche, das Maximum herauszuholen.“ Der Russe will nicht mit der Entscheidung von Toro Rosso hadern, ihn auf die Strafbank gesetzt zu haben, auch wenn sie für ihn aus heiterem Himmel kam. „Fair oder nicht fair ist hier nicht die Frage. Es ist passiert, ich muss es akzeptieren. Anstatt mich mit negativen Gedanken zu belasten, versuche ich es positiv zu sehen. Die Pause hat mir geholfen alten Ballast abzuwerfen und meine Batterien neu aufzuladen. Ich gehe jedenfalls voll motiviert in diesem Grand Prix.“

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