Wie Heynckes die Hierarchie wiederherstellen will

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Jupp Heynckes hat beim FC Bayern München ein Führungsproblem erkannt. Zwar gelten flache Hierarchien im modernen Fußball als en vogue, jedoch: So flach wie aktuell war die Hierarchie beim Rekordmeister vielleicht noch nie – das möchte der neue Coach nun ändern.

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Vielleicht haben die Macher des FCB die Bedeutung der Führungspersönlichkeiten Philipp Lahm und Xabi Alonso unterschätzt, die im Sommer ihre Karriere beendeten. Dem neuen und alten Coach war sie jedenfalls bewusst. „Der FC Bayern hatte in den letzten Jahren eine ganz klare Hierarchie in der Mannschaft. Viele Spieler hatten Gewicht in der Umkleide“, sagte Heynckes bei seiner Antrittspressekonferenz. Und weiter: „Es ist wichtig, diese Hierarchie wieder reinzubringen.“ Der 72-Jährige weiß, wovon er spricht, schließlich arbeitete er mit Lahm zwischen 2011 und 2013 drei Jahre lang erfolgreich zusammen.

Kein Führungsspieler unumstritten

Fakt ist: Es gibt einige Akteure, die beim Branchenprimus das Zeug zum Führungsspieler haben. Fakt ist aber auch, dass keiner von ihnen momentan unumstritten ist:

  • Manuel Neuer etwa: Der Nationaltorwart ist Nachfolger von Kapitän Lahm, kann sein Amt jedoch aufgrund seiner langwierigen Verletzung nicht richtig ausüben.
  • Stellvertreter und Identifikationsfigur Thomas Müller, der auch in der Vorbereitung die Binde trug, genoss unter Ex-Trainer Carlo Ancelotti nicht das Vertrauen, befindet sich seit der vergangenen Saison zudem im Leistungsloch.
  • Jerome Boateng gehört spätestens seit seiner überragenden Leistung im WM-Finale gegen Argentinien vor drei Jahren zu den weltbesten Innenverteidigern, war zuletzt jedoch verletzungsanfällig. Gegen Paris St. Germain stand er nicht einmal im Kader.
  • Mats Hummels war schon beim BVB Kapitän, sieht in München zudem seine Heimat. Allerdings ließ in Carlo Ancelotti in beiden Champions-League-Spielen auf der Bank schmoren.
  • Franck Ribéry: Das Genie und die Kreativität des Franzosen stehen außer Frage, gleiches gilt aber auch für sein heißblütiges Temperament.
  • Arjen Robben: Bildete mit Ribery die wohl beste Flügelzange in den letzten zehn Jahren, wird aber immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Positionierte sich gegenüber der Klubspitze deutlich zu den Missständen unter Carlo Ancelotti.
  • Arturo Vidal gehört zur Kategorie „Aggressive Leader“, wurde diesem Anspruch aber in der jüngeren Vergangenheit nicht gerecht. Positiv für den Chilenen: Heynckes kennt ihn aus seiner Zeit bei Bayer Leverkusen (2009 bis 2011), wollte ihn schon damals mit nach München nehmen.
  • Robert Lewandowski: Sportlich ist „Lewy“ über jeden Zweifel erhaben, stellt seine eigenen Interessen aber häufig über die des Vereins, liebäugelt beispielsweise mit einem Wechsel zu Real Madrid.
  • David Alaba: Die Karriere des Toptalents geriet zuletzt ins Stocken. Trotzdem sieht ihn die Bayern-Führung schon länger in einer Führungsrolle. „Er kann da hineinwachsen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gegenüber der „Abendzeitung“.
  • Einer, der auf Sicht ebenfalls in diese Rolle schlüpfen kann, ist Joshua Kimmich. Aus der Nationalmannschaft bereits nicht mehr wegzudenken, traut ihm beispielsweise RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick das Kapitänsamt bei den Bayern zu.

Gewinner Müller und Robben

Heynckes hat dieses Problem erkannt und packt es an, spricht dem Quintett Boateng, Müller, Hummels, Robben und Ribery, das zuletzt von Ancelotti links liegen gelassen wurde, das Vertrauen aus.

So gilt Müller als einer der Gewinner der Rückkehr von Heynckes. Der Trainer sieht den Nationalspieler in einer Führungsrolle und lobt: „Thomas kann sich vom Intellekt her und von dem, was er bisher geleistet hat, als Führungsspieler hervortun.“

Ein klares Zeichen sendet Heynckes auch in Richtung von Robben. Den Superstar stellt er auf eine Stufe mit den ganz Großen im niederländischen Fußball. „Holland hat große Fußballer herausgebracht wie Cruyff, Gullit, van Basten oder Rijkaard. Ich denke, dass man Arjen in diese Riege einstufen muss. Er ist für Holland ein genauso außergewöhnlicher Spieler gewesen“, so der Trainer.

Hummels beeindruckt Heynckes

Hummels lernte der neue Coach in diesen Tagen zum ersten Mal auf dem Trainingsplatz kennen – und war laut „Kicker“ sofort von „dessen starker Leistung sowie intelligentem Auftreten als Persönlichkeit“ angetan.

Und Weltmeister Boateng lotste der 72-Jährige bei seinem Dienstantritt 2011 von Manchester City an die Säbener Straße.

Zudem weiß „Don Jupp“, wie er den sensiblen Ribéry anzupacken hat. Und dass Heynckes zu den Lieblingstrainern des Dribbelkünstlers gehört, ist ebenfalls ein offenes Geheimnis.

Fraglich, ob auch Lewandowski dazu gehört. Die „Abendzeitung“ zählt den Polen zur Kategorie „Spieler mit Anführerpotenzial“. Der „Kicker“ widerspricht dieser Einschätzung, Lewandowski sei „nicht der Typ Leader.“ t-online.de-Kolumnist Stefan Effenberg sagte sogar, dass der FC Bayern den Starstürmer verkaufen müsse.

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