Wann rollen bei Pannen-Ferrari Köpfe?

Bereits nach den ernüchternden Ergebnissen in Singapur und Malaysia war Ferrari-Vorstandsboss Sergio Marchionne der Kragen geplatzt.

„In den Rennen solche Probleme zu haben, macht uns wütend. Es ist eine Sache, wenn solche Probleme in der Fabrik auftreten. Aber es ist wirklich ärgerlich, wenn du Zweiter in der Startaufstellung bist und nicht ins Rennen gehen kannst“, hatte der 65-Jährige geschimpft.

Wie es um seine Gemütslage nun bestellt ist, möchte man sich gar nicht vorstellen. Nun, da die Formel-1-WM nahezu entschieden ist und sein Rennstall in Japan erneut ein desaströses Bild abgegeben hat.

Schon als zwei Drittel der Asienreise vorüber waren, hatte Marchionne „organisatorische Änderungen“ angekündigt. Das kann zwar viel bedeuten, nichtsdestotrotz muss die Führungsriege der Scuderia nun mehr denn je um ihren Job bangen.

Arrivabenes Stuhl wackelt

Insbesondere Teamchef Maurizio Arrivabene steht seit Längerem in der Kritik. Für SPORT1-Experte Peter Kohl „ist es nur eine Frage der Zeit, bis Arrivabene seinen Schreibtisch in Maranello räumen muss.“

Entsprechend angefressen reagierte der Boss von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen nach der erneuten Pleite in Suzuka. „Jeder hat gesehen, was passiert ist. Glauben Sie, das Team hat einen Fehler gemacht?“, fragte der Italiener barsch, nachdem er von den Journalisten auf die Zündkerzenprobleme an Vettels Boliden, die ihm wohl die letzte WM-Hoffnung geraubt haben, angesprochen wurde.

Die Peinlichkeit von Japan war die Fortsetzung einer unglaublichen Pannenserie der Roten in der laufenden Saison. Durch technische Mängel am Auto und selbst verschuldete Fehler von Vettel wurden insgesamt 105 Punkte verschenkt, die Ferrari beim Blick auf die WM-Gesamtwertung verzweifeln lassen.

Vettel nimmt Team in Schutz

Nicht umsonst schrieb die italienische Zeitung La Repubblica vielsagend: „In Maranello steht ein Prozess bevor. Auf der Anklagebank werden alle landen: Piloten, Techniker bis zu den Managern.“

Vettel wollte nach dem frühen Aus in Suzuka nichts von personellen Konsequenzen wissen. „Das ist Quark“, stellte der viermalige Weltmeister klar: „Was passiert ist, tut weh. Aber ich muss meine Mannschaft in Schutz nehmen, alle geben Vollgas.“

Zwar wird sich Ferrari an seinen letzten Strohhalm klammern und bis zum letzten Meter um die verbliebene WM-Chance kämpfen. Doch im Grunde deuten schon einige Aussagen der Beteiligten daraufhin, dass man sich ab sofort auf einen erneuten Angriff im Jahr 2018 konzentrieren will.

Wolff lobt Ferrari-Entwicklung

Ist der Ärger über die Pleitenserie erst einmal verraucht, dürften die Fortschritte im Vergleich zum letzten Jahr positiv stimmen.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff unterstrich, was Ferrari noch fehlt. „Der Leistungssprung, den Ferrari von 2016 auf 2017 geschafft hat, war außergewöhnlich“, sagte Wolff: „Aber sie sind noch in einer Entwicklungsphase. Sie haben die Performance gefunden, jetzt müssen sie die Zuverlässigkeit finden.“

Dazu hat Ferrari dann wieder in den Wintermonaten Zeit. Ob dabei das Vertrauen in das bestehende Personal gesetzt wird, entscheidet einzig Sergio Marchionne, der trotz aller Pannen und Patzer von den Fortschritten bei Ferrari überzeugt ist:

„Bei aller Demut sage ich, dass unser Auto riesige Fortschritte gemacht hat. Ohne arrogant klingen zu wollen: Ich glaube, dass Ferrari auf demselben Niveau, oder vielleicht sogar besser als Mercedes ist.“

Kommentar verfassen