Rallye Spanien 2017: Ogier steuert auf Titel zu

Thierry Neuville wollte in Spanien zur großen Aufholjagd blasen. Stattdessen sind nach der drittletzten Rallye des Jahres wohl alle Titelchancen dahin. Für den Belgier selbst und für sein Hyundai-Team in der Markenwertung wohl ebenfalls.

Das Unheil nahm bereits am Freitag seinen Lauf. Es begann damit, dass der bis dahin WM-Zweite als einziger im Feld zum Schotterauftakt weiche Reifen aufziehen ließ. Was nach außen nach frühem Vabanque-Spiel aussah, schien dem Team zunächst gar kein großes Risiko. „Beim Testen haben die Reifen locker 50 Kilometer gehalten“, verteidigte sich Neuville.

Im Wettbewerb ließen sie auf der Schlüsselprüfung Terra Alta schon nach 22 Kilometern nach. Nach 25 von gut 40 Kilometern waren sie eigentlich am Ende. Neuville machte auch noch einen kleinen Fahrfehler, verstellte versehentlich die Differenziale in eine ungute Richtung und verlor schon an diesem ersten Morgen knapp 16 Sekunden.

Probleme über Probleme für Neuville

Der Mann aus St.Vith kämpfte sich zwar langsam wieder an Titelrivale Sébastien Ogier heran, aber dann fiel am Samstag plötzlich die Hydraulik aus. Ein Verbindungsstück zwischen Pumpe und Schlauch war gebrochen. Dass die Wippenschaltung zuerst versagt hatte, ließ sich verschmerzen, alle Autos haben ein Notsystem, um konventionell zu schalten. Doch ohne Flüssigkeitsdruck streiken auch die Differenzialsperren, das Mitteldifferenzial bleibt so völlig offen. „Das fühlt sich dann in jeder Kurve an, als hättest du die Handbremse gezogen“, sagte Neuville.

Den Effekt bekam der gebeutelte Verfolger schon vor dem Start in die nächste Prüfung zu spüren. Auf der Verbindungsetappe sprang der Motor nicht an. Hektisch suchten und fummelten Neuville und Copilot Nicolas Gilsoul an Kabeln, Steckverbindungen und Sicherungen. Bis sich der Vierzylinder-Turbo dann doch überreden ließ, war die Besatzung schon spät dran und schoss dementsprechend eilig los. In der ersten Kurve keilte das Hinterteil des Hyundai i20 aus, Neuville krachte rückwärts in eine Böschung und hatte noch Glück, dass nichts wirklich Solides im Weg stand. 53 Sekunden Rückstand auf die Spitze war die Bilanz, und so war eigentlich schon zur Halbzeit klar, dass man den Rückstand nicht würde verkürzen können.

Das noch viel größere Problem war aber ein nach 16 von 19 Prüfungen parkender Neuville. Das rechte Vorderrad stand unschön aus dem Radkasten, die Lenkung war auch hier hinüber. Neuville hatte neben der Straße etwas Unnachgiebiges getroffen. Das Aus. Der Hyundai-Pilot hat durch die Nullrunde 38 Punkte Rückstand auf Ogier. Selbst bei einem Triumph des Belgiers mit Maximalpunktzahl in Wales und gleichzeitigem Totalausfall des Franzosen würde der noch mit acht Zählern Vorsprung zum Finale nach Australien reisen.

Meeke wieder erstarkt

In der Markenwertung liegt Hyundai 83 Punkte zurück, es sind aber nur noch 86 zu vergeben. Alle drei Fords könnten bei den nächsten Rallyes an zwei Tagen ausfallen und beliebige Rückstande einfahren. Solange einer einmal das Ziel erreicht, kassiert er durch das Herausrechnen der nicht eingeschriebenen Starter automatisch vier Punkte und so kann allenfalls noch ein Asteroideneinschlag den Titelgewinn für das einzige Nicht-Werksteam verhindern.

Sébastien Ogier braust Titel Nummer fünf durch den zweiten Platz entgegen. Dahinter folgte Ott Tänak, der neue Punktzweite in der WM. Der Este zeigte sich wie schön öfter in dieser Saison auf Augenhöhe mit Teamkollege Ogier. Der Tabellenführer konnte Tänak im Ziel gerade mal um fünf Sekunden distanzieren.

Die Vorentscheidung in der WM überlagerte in Spanien die Wiederauferstehung des Kris Meeke. Sechs Wochen Pause haben dem angeschlagenen Iren gutgetan und auch die Tatsache, dass ihm Citroën-Teamchef Yves Matton selbst das Ausscheiden auf Prüfung eins in Deutschland verzieh und ihn als einen der Fahrer für 2018 bestätigte.

Meeke übernahm nach der ersten Asphaltprüfung die Führung, verteidigte über den Tag ohne große Mühe 13 Sekunden Vorsprung, und fuhr am Sonntag mit fünf Bestzeiten auf sechs Prüfungen einfach davon, als die Ford-Mannen sich auf Ergebnissicherung verlegten. Einen Sieg hatte Teamchef Matton als Saisonziel ausgegeben, nun sind es zwei.

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